Wenn sich ein Paar mit Kindern trennt, lautet die erste Frage meist, bei wem die Kinder leben werden. In Katalonien geht die Antwort von einem klaren Grundsatz aus: Beide Eltern bleiben auch nach der Trennung für ihre Kinder verantwortlich. Deshalb ist das Wechselmodell (guarda compartida, geteilte Obhut) heute eine häufige, aber keine automatische Lösung.
Bei MH & MG Abogados begleiten wir seit mehr als 25 Jahren Familien in Barcelona und Roses (Girona); unsere Partner sind eingetragene Mediatoren. Wir erklären Ihnen, wie das Wechselmodell in Katalonien funktioniert.
Was das katalanische Recht sagt
Das katalanische Zivilgesetzbuch bestimmt, dass Trennung oder Scheidung die Verantwortung beider Eltern gegenüber ihren Kindern nicht verändert. Bei der Entscheidung über die Obhut muss der Richter diese gemeinsame Verantwortung berücksichtigen, kann aber die alleinige Obhut anordnen, wenn dies dem Kindeswohl besser dient.
In der Praxis sehen die katalanischen Gerichte das Wechselmodell als bevorzugte Lösung an, sofern es umsetzbar ist und den Kindern nützt.
Worauf der Richter achtet
Der Richter berücksichtigt unter anderem:
- Die emotionale Bindung der Kinder an jeden Elternteil.
- Die Eignung jedes Elternteils zur Betreuung und seine tatsächliche Verfügbarkeit.
- Die Zeit, die jeder Elternteil vor der Trennung mit den Kindern verbracht hat.
- Die Meinung der Kinder, die ab zwölf Jahren oder bei ausreichender Reife angehört werden müssen.
- Frühere Vereinbarungen der Eltern und ihre Fähigkeit, sich über die Kinder zu verständigen.
- Die Entfernung zwischen den Wohnungen und zur Schule, damit die Wechsel den Alltag nicht stören.
Das Gesetz schließt die Obhut für einen Elternteil aus, der wegen häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt verurteilt wurde oder gegen den begründete Anhaltspunkte dafür bestehen.
Der Elternplan
In Katalonien muss jede Vereinbarung oder Klage über minderjährige Kinder einen Elternplan (pla de parentalitat) enthalten. Darin wird festgelegt, wie die Zeit aufgeteilt wird (wochenweise, vierzehntägig oder anders), wer sich um Schule, Gesundheit und Aktivitäten kümmert, wie die Ferien geregelt werden und wie die Eltern kommunizieren. Je genauer und realistischer er ist, desto weniger Streit gibt es später.
Kindesunterhalt und Wohnung
Das Wechselmodell schließt Kindesunterhalt nicht zwingend aus. Jeder Elternteil trägt die laufenden Kosten, solange die Kinder bei ihm sind; bei deutlichem Einkommensunterschied kann der Richter jedoch Unterhalt zum Ausgleich festsetzen. Außergewöhnliche Ausgaben, etwa nicht gedeckte Arztkosten oder vereinbarte Aktivitäten, werden in der Regel im Verhältnis der Einkommen geteilt.
Die Familienwohnung wird beim Wechselmodell meist dem bedürftigeren Elternteil und nur befristet zur Nutzung zugewiesen. Alternativ kann sie verkauft oder einem der beiden zugeteilt werden; mehr dazu in unserem Artikel zur Vermögensaufteilung nach der Scheidung.
Wenn sich die Umstände ändern
Die Regelungen für die Kinder können geändert werden, wenn sich die Umstände wesentlich ändern: ein Umzug, neue Arbeitszeiten, die Meinung der Kinder, wenn sie älter werden, oder die wiederholte Nichteinhaltung der vereinbarten Regelung. Dies geschieht in einem Abänderungsverfahren (modificación de medidas), vor dem ebenfalls ein Einigungs- oder Mediationsversuch nötig ist.
Wir helfen Ihnen, die beste Lösung zu finden
Bei MH & MG Abogados helfen wir Ihnen, einen ausgewogenen Elternplan auszuhandeln und zu formulieren, begleiten Sie in einer Familienmediation und vertreten, falls keine Einigung zustande kommt, vor Gericht die Lösung, die Ihre Kinder am besten schützt. Mehr dazu auf unserer Seite Familienrecht.
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